Lusitanistik und Lusophone Literatur
Der Ausdruck "lusophon" leitet sich vom dem Namen der römischen Provinz "Lusitania" - die auch das heutige Portugal unfasste - ab und umschreibt, ähnlich wie "anglophon" oder "frankophon" für das Englische und Französiche, die Gesamtheit des portugiesischsprachigen Teils dieser Welt. Ab dem 15. Jahrhundert brachten die Entdeckungs- und Eroberungsfahrten der damaligen Weltmacht Portugal die portugiesische Sprache in so unterschiedliche Winkel dieser Erde wie Brasilien, Angola, Mosambik, Goa an der Westküste Indiens, Ost-Timor im indonesichen Archipel und das chinesische Macau. Für viele eingefleischte Brasilienfreunde ist die Lusitanistik - das portugiesische Gegenstück zur Germanistik - ein faszinierendes Gebiet.
 
Wer Brasilien kennt und dort Portugiesisch gelernt hat, versteht das faszinierende Gefühl, das mit einem Mal auch Länder wie Angola oder Mosambik als mögliche Reiseziele ganz nahe gerückt sind - und zwar nicht nur weil dort ein dem Brasilianischen recht ähnliches Portugiesisch gesprochen wird, sondern auch und vor allem wegen der kulturellen Querverbindungen. Wer ein ernsteres Interesse für die Wurzeln der afrobrasilianischen Kultur, weltbekannt durch Samba, Karneval und und Candomblé, hegt, findet in diesen Ländern einen leichten Einstieg und reichlich Inspiration.

Wer nicht die Zeit findet, bei einem Mosambik Urlaub den afrikanischen Wurzeln Brasiliens nachzustöbern, findet auch in Deutschland einige Gelegenheiten zur näheren Beschäftigung mit der Lusitanistik. Zu den besten und bekanntesten Anlaufstellen zählt die Frankfurter Buchhandlung TFM, die sich auf lusophone Literatur und Musik spezialisiert hat und ein umfangreiches und vielseitiges Programm an Büchern, CDs, DVDs aus Portugal, Brasilien, den Kapverden, Macau, Angola und Mosambik bietet - ein Muss für Portugal- und Brasilienkenner und Liebhaber der portugiesischen Sprache. 

Unbestrittener "lusitanischer Höhepunkt" des Jahres 2011 war der in zweijährigem Turnus stattfindende  9. Deutsche Lusitanistentag, der diesmal zwischen dem 14. und 17. September vom Wiener Institut für Romanistik ausgerichtet wurde. Unter dem Motto "Entdeckungen und Utopien" beschäftigen sich 200 Lusianisten aus aller Welt drei Tage lang mit portugiesischsprachiger Kultur, Literatur und aktuellen wissenschaftlichen Themen ihres Fachs. Zu den Highlights für Brasilienfreunde zählten unter anderem eine Vernissage mit des Circuito Internacional de Arte Brasileiro, die Präsentation eines Buchs über einen Stipvisite des Komponisten Joseph Haydn ins Rio de Janeiro des 19 Jahrhunderts und die von brasilianischer Musik und Kulinarik moderierte Verleihung des Georg Rudolf Lind Preises für Lusitanistik. 



 

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