|
Laut einer der Studie der internationalen Gesellschaft für ästhetische plastische Plastische Chirurgie (ISAPS) werden weiterhin in den USA mehr schönheitschirugische Eingriffe vorgenommen als irgendwo sonst, doch auf den Plätzen 2 bis 4 liegen seit 2009 die Schwellenländer China, Brasilien und Indien. Deutschland, das bestplatzierte europäische Land, rangiert lediglich auf Platz 8. Mit der günstigen Wirschaftslage wächst in Brasilien der Mittelstand, und in der körperbetonten Kultur des Landes boomen die Wellness- und Beautybranchen im Gleichschritt mit.
Die lebenslustige und schönheitsbewusste brasilianische Mentalität
versteht chirugischen Schönheitskorrekturen als ähnlich
selbstverständlich und legitim wie eine Kariesbehandlung beim Zahnarzt
oder das Anlegen von Dauerwellen beim Friseur. Wie hoch die Akzeptanz
in der Bevölkerung gegenüber Schönheitsoperationen ist,
zeigte unlängst auch das Beispiel des Fussballstars Ronaldo, der sich
anlässlich einer sportmedizinischen Operation ohne Wissen seine Vereins
Corinthians Sao Paulo nebenbei gleich etwas Fett absaugen liess.
2008 standen Einwohner von Rio de Janeiro vor einer Klinik der
Brasilianischen Gesellschaft für kosmetische Chirurgie (SBME) Schlange,
da dort kostenlose Operation angeboten wurden. Die Idee dazu kam von
Ivo Pitanguy, einer der Leitfiguren der brasilianischen
Schönheitsindustrie. Um die Behandlung nutzen zu können, mussten die
Kandidaten nachweisen, dass sie weniger als einen Mindestlohn (500
Real, 2008 etwa 190 Euro) verdienen und zustimmen, statt von Fachärzten mit abgeschlossener Ausbildung von
Studenten der Klink behandelt zu werden.
Frauen aus ärmeren Gesellschaftsschichten betrachteten die Aktion als
einmalige Gelegenheit und nächtigten vor der Klinik. Allein im November
2008 legten sich 1800 von ihnen unters Messer. Brustvergrößerungen
waren nicht im Angebot, dafür aber Botox-Spritzungen, Laser
Haarentfernungen, chemische Peelings und Fettabsaugungen.
Laut Auskunft der SBME liegt die Zahl der Schönheitseingriffe in
Brasilien bei etwa 200 pro 100.000 Einwohner. 3500 Spezialisten
praktizieren im Land, vornehmlich in Rio de Janeiro und São Paulo.
Anders als in den anderen neuen Schönheitsmärkten in Asien, wo
Hautaufhellungen und Augenlidkorrekturen im Vordergrund stehen, war in Brasilien die
Nachfrage der in Europa und den USA schon immer sehr
ähnlich - ein Umstand, der sich durch Internet und weltweite Medien im
letzten Jahrzehnt gehalten und sogar weiter verstärkt hat. Europäische Anbieter horchen auf, denn die ersten brasilianischen Dienstleister werben bereits in deutscher Sprache und mit
Komplettpaketen inklusive Flug, Unterbringung und Sight Seeing - für
viele beauty-affine Verbraucher sicher eine sehr attraktive Idee, zumindest
auf den ersten Blick.
|