Florida gehört zu den traditionellen auslandsbrasilianischen Hochburgen. Circa 300.000 Brasilianer leben hier, vornehmlich in Orlando, Miami und Broward. So verwundert es kaum, dass sich das anhaltende Hoch in der brasilianischen Wirtschaft auch hier deutlich bemerkbar macht. Der schnell wachsende neue brasilianische Mittelstand ist so reiselustig und kosumfreudig wie nie und drängt in Scharen nach in den Sunshine State. Neben Einkaufsorgien und Familienbesuchen ist steht dabei auch die Suche nach Investitionsmöglichkeiten mit auf dem Programm. Wenn es der gebeutelten Immobilienbranche in Südflorida derzeit besser gehe, so ein Insider, liege das einzig an den Brasilianern.
Optimistische Prognosen, steigende Löhne, ein immer stärkerer Real und ein immer schwächerer Dollar - Gründe für die brasilianische Offensive gibt es genug.
Millionen von Brasilianern bietet die aktuelle Wirtschafslage zum ersten Mal im Leben die
Möglichkeit zur Realisierung lang gehegter Träume. 2010 stieg in Brasilien die
Nachfrage nach Flugreisen ins Ausland um 20,4 Prozent. Von
den 1,2 Millionen Brasilianern, die in diesem Zeitraum in die USA
reisten, zog es über die Hälfte nach Florida.
Wohlhabende Südamerikaner auf Einkaufsbummel sind in Miami, der
traditionellen Verkehrs- und Handelsdrehscheibe zwischen USA, Karibik
und Lateinamerika, eigentlich nichts neues. Bis heute unvergessen ist bei lokalen Reiseveranstaltern das legendäre "dame-dos" (ich nehme zwei) einkauswütiger Latinos aus
den Zeiten des venezuelanischen Ölbooms. Doch die Brasilianer brechen
zur Zeit sämtliche Rekorde, darin sind sich alle einig. Allein die
Gemeinde Miami verzeichnete 2010 die Rekordzahl von 500.000 Besuchern
aus Brasilien, die für Einahmen von insgesamt einer Milliarde Dollar sorgten. Damit
liess Brasilien in Punkto Besucherzahlen und Spesen erstmals den langjährigen
Spitzenreiter Kanada hinter sich liess.
"Wie die Heuschrecken", so ein Reiseveranstalter, fielen brasilianische
Touristen über Einkaufs- und Vergüngungszentren her. Viele Geschäfte
mussten sprach- und kulturkundiges Personal einstellen,
Einkaufstourenveranstalter ihre Busse mit zusätzlichen Anhängern zum
Transport der Schäppchen ausrüsten. Gefragt sind vor allem Markenprodukte wie Nike, Adidas und Tommy
Hilfiger, daneben Hitech, Hifi, TV und Computer - alles merklich
billiger im Vergleich zu den Preisen zu Hause - ebenso wie Ausflüge zu
Attraktionen wie Disneyland, den Everglades und Key West.
Sensibilisert durch den
heimischen Immobilienboom interesieren sich
viele Besucher auch für Apartments, Ferienhäuser und
Investitionsobjekte. Strände und Sonne wie zu Hause, vertrautes
kulturelles Ambiente durch den hohen Bevölkerungsanteil an
Lateinamerikanern, gute Infrastruktur, hohe Lebensqualität und vor allem
eine merklich geringere Kriminalitätsrate als in der Heimat - was die
brasilianische Oberschicht schon seit den 1990er Jahren anzieht, ruft
jetzt auch den neuen Mittelstand auf den Plan. Während die Preise im
Immobilien
Florida Sektor seit dem Platzen der Kreditblase eine historische Talsohle durchqueren, steht der Real gegenüber dem Dollar so stark
wie nie zuvor- die Gelegenheit zu einem Schnäppchen ist für viele einmalig.
Laut Auskunft der
Realtor Association of Greater Miami zeichnen Brasilianer
derzeit für 9 Prozent aller Immobilienkäufe im Gossraum Miami und Fort
Lauderdale. Die günstigsten Appartments in Miami gehen für 50.000 Dollar
über den Tisch - angesichts der überhöhten Preise auf dem
brasilianischen Markt eine kleine Summe. In den Luxusvierteln von Miami
kostet der Quadratmeter um die 5.000 Dollar, erklärt Leo Ickowicz, ein
in Miami ansässiger brasilianischer Immonilienhändler, für ein
vergleichbares Objekt in Sao Paulo zahlt man derzeit das doppelte, und
in Rio de Janeiro sogar das dreifache. 45 Makler arbeiten für seine Firma, 70
Prozent seiner Kunden sind Brasilianer. Zur Zeit zahlen über drei
Viertel davon in Bar, doch seit Oktober 2010 vermehren sich auch Kreditgeschäfte über brasilianische Banken.