Geschäftsgründung in Brasilien
Seit Ende 2002 erlebt die brasilianische Wirtschaft einen historischen Boom. Lag das Wachstum vor dem Amtsantritt von Luiz Ignacio da Silva im Schnitt bei 2,3% und stieg während seiner Amtszeit auf 4.1% und Experten erwarten für die kommenden Jahre Zuwachsraten von mindestens 6%. Die Börsen honorieren das Geschehen mit steigenden Kursen. Ab Anfang 2009 legte der brasilianische Börsenindex Bovespa innerhalb eines Jahres um 60% zu, und vier Fünftel aller brasilianischen Aktien befinden sich im Aufwärtstrend. 2010 überholte Brasilien Italien und ist nunmehr die siebtgrößte Wirtschaftsnation der Erde.

Dementsprechend hoch ist das Interesse internationaler Unternehmen am brasilianischen Markt. Während deutsche Multis sich bereits seit den 1960er Jahren in Brasilien etablierten, steigt jetzt auch die Zahl der mittleren und kleinen Unternehmen, die in Brasilien eine Niederlassung unterhalten, stark an. Laut Angaben der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer in São Paulo sind etwa 1200 deutsche Unternehmen in Brasilien präsent (2009), größtenteils im Süden und Südosten des Landes. 2008 betrug das deutsch-brasilianische Handelsvolumen 18 Milliarden Euro, eine Steigerung um 100% im Vergleich zu 1998.
 
In Brasilien findet man annähernd die gleichen Unternehmensformen wie in Deutschland. Die wohl bekannteste ist die so genannte Limitada, die der deutschen GmbH gleicht. Sie ist vergleichsweise einfach zu gründen und wird deshalb oft genutzt. Gegründet werden muss die Limitada von mindestens zwei Personen, Eigenkapital ist in der Regel nicht nötig. Im Gesellschaftsvertrag sind Name, Sitz und Zweck der Gesellschaft, Höhe des Stammkapitals und die Beteiligungsverhältnisse geregelt. Ausländische Firmen müssen eine Einlage von 200.000 Dollar nachweisen, bei natürlichen Personen reichen 50.000 Dollar. Bei der Limitada wird mit der Kapitaleinlage gehaftet. Die Limitada muss beim zuständigen Handelsregister beantragt werden.

Die so genannte S.A. ist mit der deutschen Aktiengesellschaft gleichzusetzen. Man unterscheidet hier zwischen offener und geschlossener S.A., wobei nur die offene mit Aktien an der Börse handeln darf. Für die Gründung einer S.A. benötigt man mindestens zwei Gesellschafter, die in Brasilien ansässig sein müssen. Außerdem muss ein aus mindestens drei Personen bestehender Verwaltungsrat geschaffen werden. Die S.A. ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, wobei sich die Haftung auf die Höhe der Aktien der Gesellschafter beschränkt. Die S.A. muss ebenfalls beim Handelsregister eingetragen werden.

Die bei uns als Joint Venture bekannte Unternehmensform, einen Zusammenschluss von mehreren Unternehmen, gibt es in brasilien ebenfalls. Es gibt viele deutsch-brasilianische Joint Ventures, bei denen brasilianischen Partner zumeist von deutschen Technologien und Kapital profitieren, wogegen die Deutschen auf die Marktkenntnisse und Infrastruktur der Brasilianer setzen. Allerdings sollte das jeweilige Partnerunternehmen vorab gut geprüft werden. Gerade über das Kapital sowie die Gesellschafter sollte man sich erstmal gut informieren. Hat man dann ein entsprechendes Unternehmen gefunden, werden alle Details im Gesellschafter- und in Joint Venture-Vertrag geregelt. Wie alle anderen Unternehmensgründungen muss auch das Joint Venture beim Handelsregister eingetragen werden.
 
Wer in Brasilien investieren möchte, sollte sich vorab ausreichend mit den Geschäftsgebräuchen des Landes vertraut machen. Marktforschung gestaltet sich in Brasilien problematischer als in Deutschland, da offizielle Produktionsstatistiken fehlen und aktuelle branchenspezifische Daten oft lückenhaft sind. Verlässliche Basisinformationen zur Anzahl der Unternehmen einer Branche und deren Größe erteilt die brasilianische Statistikbehörde IGBE (Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística), Import und Exportstatistiken findet man bei der Außenhandelsbehörde SECEX (Secretaria do Comércio). Wichtigste Anlaufstelle für deutsche Unternehmer in Brasilien ist die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer in São Paulo, kurz AHK Brasil.
 
Ein oft unterschätzter Faktor zur Etablierung am brasilianischen Markt ist Sprachkompetenz. Mit der Ausarbeitung von Präsentationen, Werbematerial und Internetauftritt in brasilianischem Portugiesisch sollte auf jeden Fall eine brasilianische Agentur mit internationaler Erfahrung beauftragt werden. Kompetente Ansprechpartner hierzu findet man in der Regel am schnellsten in Sao Paulo, Porto Alegre und Curitiba. Gleiches gilt auch für sprachspezifische Aufgaben im SEO und SEM Bereich, wobei die technische Leitung des Projektes bei ihrer zuständigen Agentur in Deutschland verbleiben sollte. Gehostet werden sollte Ihr brasilianischer Internetauftritt aufgrund der Zugriffszeiten dagegen in Brasilien, oder zumindest in den USA. 
 

 

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