Weinreisen in Brasilien
Weintourismus (auf brasilianisch "Enoturismo"), wird in Brasilien immer beliebter. Der Weinbau gelangte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit italienischen und deutschen Einwanderern ins südliche Brasilien, vornehmlich in den heutigen Bundesstaat Rio Grande do Sul, wo Klima und Böden die Fortsetzung landwirtschaftlcher Traditionen aus Europa begünstigten. Heute bietet das Serra Gaucha Gebirge, keine 200 km von Porto Alegre gelegen, Weintourismus nach europäischem Vorbild, der auch internationale Gäste anzieht.

Ab Mitte der 1990er Jahren führten Kinofilme und populäre TV Serien über die Geschichte der italienischen Einwanderung zu einem verstärkten Interesse der brasilianischen Bevölkerung an den schönen Landstrichen der Serra Gaucha, unweit von Porto Alegre im Landesinneren von Rio Grande do Sul. Heute gilt das Gebiet als ein Stück Italien im Herzen Brasiliens, mit alten italienischen Bräuchen, original italienischem Essen, und natürlich auch italienischer Weintradition - alles nicht allzu weit von den grossen Metropolen Sao Paulo und Rio de Janeiro entfernt und jederzeit mit dem Auto erreichbar - und bietet Weintourismus nach französischem Muster, der zunehmend auch auch Publikum aus Europa un den USA anzieht.

Massgeblich beteiligt an dieser Entwicklung ist eine beeindruckende Steigerung der Qualität der Rotweine aus der Serra Gaucha, vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten. Brasilien seit 1995 Mitglied der Organisation International de la Vigne et du Vin (OIV, Internationale Organisation für Rebe und Wein) und unterwirft seine Exportprodukte deren Normen. Zusätzlich wurdem nach europäischem Muster Gütesiegel mit Hinweis auf den Herkunftsort (Denominação de Origem Controlada, DOC) eingeführt. Demnach müssen brasilianische unter anderem Informationen über Geschmack und Art Weines, Alkoholgehalt und verwendete Zusatzmittel auf ihre Etiketten drucken und dürfen keine irreführenden Angaben über das  Anbaugebiet machen. Einige der ältesten und wichtigsten dieser brasilianischen Qualtiätsweine stammen aus dem "Vale dos Vinhedos", einem Tal in der Serra Gaucha unweit der Stadt Bento Gonçalves (ca. 125 km von Porto Alegre). Sie erfreuen sich in Brasilien grosser Beliebtheit und werden seit Jahren erfolgreich exportiert.

Schon bei der Ankunft in Bento Gonçalves wird der Besucher durch die "Pipa Pórtico", eine 17 Meter hohe überdimensionale Nachbildung eine Weinschlauches, an den Stolz der Stadt und seiner Bewohner erinnert: Bento Gonçalves ist die brasilianische Hauptstadt des Weins. Manche Familien, wie die Valdugas, im 19. Jarhundert aus Roveto in der Nähe von Trient eingewandert, bauen seit über 5 Generationen hier Wein an. Die Stadt ist auf Kultur- und Weintourismus bestens eingestellt und bietet neben erstklassigen Unterkünften und einem Museum zu Geschichte der europäischen Einwanderung und Ausflüge in das nahe Vale dos Vinhedos.

Dort bieten einige der wichtigsten Weingüter Brasiliens, wie "Casas Valduga", "Vinícola Don Cândido", "Don Laurindo" und "Cordelier" Weinliebhabern Kostproben ihrer Produkte und traditionells italienisches Essen. Einige Betriebe, darunter auch das Gut der Familie Valduga, einer der ersten landwirtschaftlichen Hotel- und Restaurantkomplexe Brasiliens, bieten Übernachtungsmöglichkeiten mit Vollpension, Besichtigung der Produktionsstätten, und Aktivurlaub mit Teilnahme an der Weinernte und -Aufbereitung. Bei einer Weinreise durch Südamerika führt neben den berühmten Anbaugebieten in Chile und Argentinien an der Serra Gaucha in Rio Grande do Sul kein Weg mehr vorbei.
 

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