Brasilianische Edelsteine
Nicht ohne Grund bedeutet der Name des heutigen Bundesstaates Minas Gerais auf Deutsch "allgemeine Minen". Hier begann im frühen 18. Jahrhundert die Erschliessung riesiger Vorkommen an Gold und Diamanten und Edelsteinen. Heute bezeugen die barocken Prunkbauten alter Minenstädte wie Ouro Preto von dem Reichtum und dem Wohlstand dieser Zeit. Zwar sind Gold und Diamanten seitdem seltener geworden, doch zählt Brasilien mehr denn je zu den wichtigsten Produzenten von Edelsteinen und Halbedelsteinen weltweit, sowohl was die Menge als auch was die Qualität angeht. Schmuck und geschliffene Edelsteine zählen daher für Touristen zu den interessanten Mitbringseln aus dem tropischen Riesenland.

Zu den wirtschaftlich wichtigsten unter den rund 100 in Brasilien vorkommenden Arten von Edelsteinen und Halbedelsteinen gehören Smaragd, Turmalin, Topaz, Opal, Aquamarin und die Quartze Agath, Amethyst und Zitrin, sowie in geringeren Mengen auch Rubine, Saphire und Diamanten. Die berühmten Sorten Topaz  Imperial, Paraiba Turmalin und Pedro II Opal gibt es nur in Brasilien.

Der mit Abstand wichtigste Produzent ist seit jeher Minas Gerais, das allein für 74 Prozent der offiziellen brasilianischen Produktion zeichnet, 91 Prozent aller aus Brasilien exportierten Edelsteine und Diamanten stammen von hier. Rund 100 Firmen schürfen hier industriell in Minas Gerais, 300 weitere schneiden und polieren. Die restlichen 25% der offiziellen Produktion verteilt sich auf die Bundesstaaten Bahia, Rio Grande do Sul, Mato Grosso und Goiás.

Zu den berühmtesten und teuersten braslianischen Edelsteinen gehören der Topaz Imperial und der Paraiba Turmalin. Der Topaz Imperial kommt fast aussschliesslich in einem rund 200 km² grossen Gebiet um Ouro Preto vor, vornehmlich in Capão do Lana und Saramenha. Der Gehalt an Chrom und Eisen sorgt für seine einzigartige Färbung zwischen Goldgelb und Cognac-rot. Der Paraíba Tourmalin wurde erstmals 1988 in São José da Batalha im Bundesstaat Paraíba entdeckt. Zu seinen charakteristischen Merkmalen gehört sein Farbspektrum zwischen Neongrün und Pfauenblau.

Die Preise für viele Edelsteine ebenso wie für hochkarätiges Gold liegen in Brasilien oft deutlich unter den internationalen Mittelwerten. Paraiba Turmalin etwa erreicht in Brasilien Karat-Preise von bis zu 1500 Dollar, im Ausland dagegen bis zu 5000. Topaz Imperial wird in Ouro Preto von fliegenden Händlern angeboten, sowohl als Bruchstück als auch in ungeschliffenener und auf Kanten geschliffener Form. Sofern die Stücke keine Risse aufweisen stehen die Chancen gut, dass sich in Deutschland ein Goldschmied dafür interessiert.

Neben der Schönheit der Steine sind dies weiterere Gründe, warum viele Touristen in Brasilien vom Edelsteinfieber ergriffen werden. Natürlich ist auch das Betrugsrisiko viel grösser, vor allem für Laien. Neben den klassischen Qualitätsmerkmalen muss sich man als Käufer auch mit synthetischen Steinen gut auskennen, denn moderne Replikate sind in ihren physikalischen Eigenschaften von Originalen kaum zu unterscheiden. Daneben ist eine genaue Kenntnis des Markts und seiner Dynamik gefragt. Es kann durchaus passieren, dass ein qualitativ äussert hochwertiger Stein keinen Abnehmer findet weil seine Farbe, Grösse oder Form nicht im Trend liegen. Spätestens hier trennen sich Spreu und Weizen. Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft bei renomierten Juwellieren in Rio de Janeiro wie Amsterdam Sauer oder H. Stern , allerdings zumeist auch nicht mehr allzu preiswert.

Wer einzig nach schönen Andenken sucht, kann - Disziplin und viel Spass am Handeln vorausgesetzt - nicht allzuviel falsch machen. Schön verarbeiteten Schmuck gibt es in allen Variationen und für jeden Geldbeutel. Handwerkliches Geschick, originelle Designideen und ein niedriger Goldpreis sorgen hier für ein Preis- Leistungsverhältnis deutlich über dem in Deutschland. Und wer sich gar nicht trauen mag, finder bei der Schnäppchensuche in Ouro Preto an wunderschöne Schnitzereien aus Seifenstein.

Gemessen am Überfluss des 18. und 19. Jahrhunderts sind Gold und Diamanten in Brasilien heute selten geworden. War das Land bis zur Entdeckung südafrikanischer Vorkommen in den 1860er Jahren der wichtigste Diamantenproduzent der Erde, machten 2006 brasilianische Diamanten nur noch 0,1 Prozent der Weltproduktion aus. Die geschätzen brasilianischen Restvorkommen an Gold machten im gleichen Jahr 2 Prozent der weltweiten Reserven aus - die Produktion aus legalem nichtindustriellem Abbau lag dabei immerhin bei über 5 Tonnen. Die Dunkelziffer dürfte nicht zuletzt wegen der strengen brasilianischen Besteuerung höher liegen.

Der steigende Goldpreis bringt gelegentlich Reisende auf die Idee, Gold aus Brasilien nach Europa mitzubringen und es an Scheideanstalten oder Goldankauf Anbieter zu verkaufen. Wichtig ist dabei zu wissen, dass nur Feingold in 999er Handelsqualität steuerfrei nach Deutschland eingeführt werden darf, niedrigere Qualitätstufen müssen dagegen normal versteuert werden. Geschliffene Edelsteine und Halbedelsteine dürfen legal aus Brasilien ausgeführt werden, die Ausfuhr von ungeschliffenen Edelsteinen ist dagegen streng verboten.
 
 

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